Beim Thema „Schwimmbad“ wünscht nicht nur die DLRG eine Vertagung der Entscheidung. „Bei solchen Investitionen müssen wir uns Zeit nehmen und wirklich alle Informationen einholen.“ Diesen Appell an den gesamten Gemeinderat und die Verwaltung äußerten am Dienstagabend die Mitglieder der SPD-Ratsfraktion mit Blick auf das weitere Vorgehen in Sachen Wendener Hallenbad.


Bei der Fraktionssitzung am Dienstagabend wurde über den Bericht in der Siegener Zeitung vom selben Tag diskutiert. Darin ging es um den Vorschlag von Bürgermeister Bernd Clemens, das 52 Jahre alte Hallenbad auf dem Westerberg in Wenden umfänglich zu sanieren und dort einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Von einem An- oder gar Neubau hatte Bernd Clemens abgeraten. Bereits in der Gemeinderatssitzung am nächsten Mittwoch steht der entsprechende Beschlussvorschlag des Bürgermeisters auf der Tagesordnung.

 

Durch einen Fernsehbeitrag hatte die SPD-Fraktion Wenden von dem günstigen Schwimmbadneubau in Werdohl erfahren. Die Parteivorsitzende Jutta Hecken-Defeld hatte daraufhin einen Termin mit SPD-Politikern in Werdohl und dem dortigen Bäderchef Frank Schlutow vereinbart. Am Tag vor der Fraktionssitzung waren Stephan Niederschlag, Sibille Niklas und Robert Dornseifer nach Werdohl gefahren, um sich informieren zu lassen. „Das war sehr beeindruckend“, fasste Stephan Niederschlag den Besuch zusammen. Der Wendener Rat, so der SPD-Fraktionschef, sollte sich vor einer Entscheidung pro oder contra Neubau, Anbau respektive Sanierung die Mühe machen, nach Werdohl zu fahren und sich über das Konzept zu informieren.

 

Robert Dornseifer wies vor allem auf den Kostenfaktor hin. Denn während das von der Gemeinde Wenden in Auftrag gegebene Gutachten von Neubaukosten in Höhe von 13,7 Mill. Euro ausgehe, sei das Schwimmbad in Werdohl für 4,99 Mill. Euro auf der „grünen Wiese“ entstanden. „Das allein ist schon ein Grund, sich das mal anzusehen.“

Ausschlaggabend für den vergleichsweise niedrigen Preis sehen die Wendener Sozialdemokraten das niederländische Generalunternehmen Pellikaan, das auf Basis Hunderter von gebauten Bädern kompakte Bausteine entwickelt hat und die Module für eine funktionale Raumorganisation passgenau auf die Bedürfnisse zusammenstellen kann.
Im Werdohler Stadtteil Ütterlingsen ist in nur zehn Monaten Bauzeit von dieser Spezialfirma der Schwimmbad-Neubau mit vier Bahnen à 25 Metern Länge, einem Hubboden sowie einem Sprungbrett-Bereich (alles in einem Becken) errichtet worden – mitsamt Umkleiden und der aufwändigen Technik.

 

Diese Neubaukosten von rund 5 Mill. Euro entsprechen in etwa den Ausgaben, die für eine Generalsanierung des bestehenden Wendener Hallenbads von den Gutachtern ins Feld geführt werden. „Der Umbau des alten Bades wäre aber eine Wundertüte“, mahnt Robert Dornseifer. „Da können uns 1000 Überraschungen blühen.“ Und ob hier wirklich eine energetische Sanierung möglich ist, stellen die Grünen infrage. "Bei einem Neubau hingegen hat man Planungssicherheit." In Werdohl sei die Kostenschätzung für den Neubau eingehalten worden. Außerdem besäße man ein nagelneues Bad, das für viele Jahre keine unliebsamen Überraschungen vorhalte. Diese Meinung vertrat auch der Bäderschef von Werdohl, Frank Schlutow: er gab zu bedenken, dass die Baupreise derzeit extrem nach oben schnellten. Daher sei der gleiche Bau sicherlich nicht mehr für diesen Preis zu bekommen.

 

Auch die DLRG-Ortsgruppe Wenden hat sich Überlegungen gemacht und in einem Schreiben an den Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden listen die Rettungsschwimmer eine ganz Reihe an Vorteilen eines Neubaus auf dem Gelände der Gesamtschule Wenden auf: „gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich; ausreichend vorhandene Parkplätze; kein Ausfall von Schul- und Übungsstunden während der Bauphase bei Weiterbetrieb des derzeitigen Hallenbads; ein Hallenbad auf dem neuesten energetischen Stand; behindertengerechtes Bauen möglich ohne einen wartungsintensiven Aufzug; im Hinblick auf das mögliche Abitur im Fach Sport der Gesamtschule wäre die zwingend notwendigen 25-Meter-Bahnen vorhanden“.
Die DLRG-Ortsgruppe schreibt: „Diese anstehende Entscheidung ist für die Gemeinde Wenden eine weitgehende Entscheidung mit Auswirkungen auf die nächsten Jahrzehnte, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch auf das Sportangebot der Gemeinde für Schulen, Vereine und die breite Öffentlichkeit.“

 

Die weitere Vorgehensweise hinsichtlich des Wendener Hallenbads steht am Montag im Haupt- und Finanzausschuss sowie am Mittwoch im Gemeinderat auf der Tagesordnung – jeweils ab 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses.

 

Diese Seite verwendet sowohl Cookies. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden.
Weitere Informationen