Falsches Signal: Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn wird nicht umbenannt

Eine Frage der Haltung

Die Diskussion um die Umbenennung der Kardinal‑Lorenz‑Jaeger‑Straße in Hünsborn hat uns mehr als überrascht. Wir waren davon ausgegangen, dass es in dieser Frage keine kontroverse Diskussion geben würde. Für uns als SPD‑Fraktion bleibt es eindeutig: Diese Straße muss umbenannt werden.

Gerade dort, wo Grundschule und Kindertagesstätte liegen – Orte, an denen Kinder Schutz, Orientierung und Werte erfahren sollen – darf kein Name stehen, der mit der nachgewiesenen Vertuschung sexualisierter Gewalt verbunden ist. Straßennamen sind öffentliche Ehrungen, keine neutralen Ortsangaben. Sie markieren, wen wir als vorbildhaft erinnern wollen.

Die Entscheidung, den Namen beizubehalten, sendet ein völlig falsches Signal – nicht nur gegenüber Kindern und Eltern, sondern gegenüber allen Menschen, die auf eine klare Haltung im Umgang mit sexualisierter Gewalt und deren Aufarbeitung angewiesen sind. Es ist eine Frage der inneren Haltung, ob wir bereit sind, Konsequenzen aus historischem Wissen zu ziehen.

Die damalige Ehrung mag aus der Perspektive der Zeit nachvollziehbar gewesen sein. Mit dem heutigen Wissen ist eine Neubewertung zwingend. Wer Kinder stärkt, ihre Rechte ernst nimmt und Prävention gegen Gewalt als Bildungsauftrag versteht, kann an diesem Straßennamen nicht festhalten.

Eine Umbenennung bedeutet kein Verdrängen der Geschichte, sondern ein klares Zeichen: Der Schutz von Kindern und eine glaubwürdige Haltung wiegen schwerer als alle Unannehmlichkeiten, die eine Namensänderung für Anlieger mit sich bringt.


Dazu der Artikel auf LokalPlus

Der Artikel und die Stellungnahme von Lorena Klein auf LokalPlus, für den wir die Genehmigung zur Veröffentlichung eingeholt haben, trifft es genau:

Wo in Hünsborn zahlreiche Kinder die Grundschule besuchen und in den Kindergarten gehen, wo jedes Jahr viele Menschen gemeinsam Schützenfest feiern, darf weiterhin der Name eines Geistlichen auf dem Straßenschild stehen, der das Leid hunderter Kinder nicht ernstgenommen und nachweislich Missbrauchstäter geschützt hat.

Die Kardinal-Jaeger-Straße bleibt die Kardinal-Jaeger-Straße. Das hat der Rat der Gemeinde Wenden mehrheitlich entschieden. Das Signal, das damit gesetzt wurde, ist beschämend.

 

Ja, auf die Anwohner wäre im Falle einer Umbenennung einiges an Organisation zugekommen und es wären Kosten angefallen. Für die Stadträte in Neheim und Werl – hier haben die betroffenen Straßen übrigens deutlich mehr Anwohner – war das aber offensichtlich kein Hindernis, für die Umbenennung zu stimmen. Und auch in Olpe ist vor wenigen Jahren ohne große Diskussionen und mit einstimmiger Unterstützung das Lorenz-Jaeger-Haus umbenannt worden.

 

Vertuschung von Leid verdient keinen Straßennamen

Die Anwohner in Hünsborn hätte man bei einer Umbenennung finanziell unterstützen können, um die nötigen Anpassungen anzugehen. Klar sind das zusätzliche Kosten für die Gemeinde, aber es wären Kosten mit nachhaltiger Botschaft: Eine Persönlichkeit, die die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch zu verantworten hat, verdient es nicht, Namensgeber einer ganzen Straße zu sein.

 

Natürlich hätte das Kardinal Jaeger nicht persönlich getroffen. Aber wenn man so argumentiert, dass Umbenennungen sowieso nicht mehr spürbar für bereits verstorbene Namensgeber sind, dann würden jetzt noch viele, viele Straßen und Plätze in Deutschland sehr verwerfliche Namen tragen… Und die schrecklichen Taten dieser Menschen sind durch die Umbenennungen sicherlich auch nicht in Vergessenheit geraten.

Gewissensbisse?

Dass es in dieser Angelegenheit eine geheime Abstimmung brauchte, spricht Bände. Gegen eine Umbenennung zu sein, aber nicht den Mut zu haben, dies per Handzeichen offen zu zeigen, macht den Eindruck, als wisse man im tiefen Inneren selbst, dass die Entscheidung verwerflich ist. Wo läge sonst das Problem darin, einfach transparent abzustimmen.

 

Schade, dass die Mehrheit des Gemeinderats gegen eine Straßenumbenennung gestimmt hat. Und damit auch die Chance vertan hat, ein deutliches Zeichen gegen die Täter und für die Opfer zu setzen.“

 

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